Von Marco Powersen | Rückenschmerz-Spezialist in Schleswig | Ganzheitliche Schmerztherapie | Biopsychosoziales Modell | Chronische Rückenschmerzen
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Mehr als nur ein körperliches Problem
Deine Rückenschmerzen beherrschen deinen Alltag. Du stehst morgens auf und der erste Gedanke gilt dem Schmerz. Du überlegst bei jeder Tätigkeit, ob sie dir wehtun wird. Und abends liegst du wach, weil du keine Schlafposition findest, die nicht schmerzt.
Vielleicht hast du von deinem Arzt schon mal den Satz gehört, dass deine Schmerzen psychosomatisch, stressbedingt oder nur in deinem Kopf seien. Und vielleicht hat dich das verunsichert oder sogar wütend gemacht, weil du denkst: Mein Schmerz ist doch real.
Ich bin Marco Powersen, medizinisch ausgebildeter Personal Trainer, und aus eigener Erfahrung mit Rückenschmerzen weiß ich, dass der Rücken oftmals viel mehr als nur ein körperliches Problem ist. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie Körper, Psyche und dein soziales Umfeld zusammenspielen, warum die Angst vor chronischen Schmerzen oft unbegründet ist, wie du Rückschläge auf dem Weg zur Schmerzfreiheit richtig einordnest und wann Schmerzen während der Therapie normal sind und wann ein Warnsignal.
Dieser Artikel ist umfangreich, weil das Thema komplex ist. Aber es lohnt sich, ihn bis zum Ende zu lesen, denn das Verständnis dieser Zusammenhänge kann ein entscheidender Wendepunkt auf deinem Weg zur Schmerzfreiheit sein.
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Das biopsychosoziale Modell: Warum Rückenschmerzen dein ganzes Leben betreffen
Rückenschmerzen beeinflussen nicht nur deinen Körper. Sie haben Auswirkungen auf deinen Alltag, deine Gefühle und wie du dich bewegst. Oftmals haben Rückenschmerzen nicht nur den Körper, sondern im Grunde das ganze Leben im Griff. Darum braucht es auch einen ganzheitlichen Ansatz, um Rückenschmerzen zu verstehen und zu therapieren.
In der modernen Schmerzforschung hat sich das sogenannte biopsychosoziale Modell als bester Ansatz etabliert, um alle Aspekte, die bei Rückenschmerzen eine Rolle spielen, zu vereinen. Dieses Modell besteht aus drei sich überschneidenden Bereichen: dem biologischen, dem psychologischen und dem sozialen Aspekt. Alle drei beeinflussen sich gegenseitig und spielen eine wichtige Rolle bei Rückenschmerzen.
Das Problem im Gesundheitssystem ist ganz oft, dass dieser ganzheitliche Ansatz nicht gegeben ist. Es wird zu sehr auf einen Aspekt geschaut oder andere Aspekte werden einfach komplett ausgeblendet. Und genau das funktioniert nicht.
Lass uns jeden dieser drei Bereiche genauer betrachten.
Der biologische Aspekt: Die körperliche Ursache deiner Schmerzen
Deine Rückenschmerzen haben in aller Regel eine biologische Ursache. Schmerzen können dabei auf zwei Wegen entstehen: mechanisch und stoffwechselbedingt (metabolisch).
Mechanische Ursachen bedeuten, dass etwas in deinem Bewegungssegment eine Struktur reizt. Vielleicht hast du eine Bandscheibenvorwölbung oder eine sehr flache Bandscheibe, die einen Nerv räumlich einengt und mechanisch irritiert. Es findet also eine mechanische Reizung statt, die du als Schmerz wahrnimmst. Das können auch Ischiasschmerzen sein, also dieses Ziehen hinten in der Gesäßbacke das Bein hinunter, oder Taubheitsgefühle, Kribbeln und Schmerzen im Fuß.
Metabolische Ursachen betreffen den Stoffwechsel. Hierzu zählen vor allem Entzündungsprozesse. Alle Schäden im Körper gehen mit Entzündungen einher. Es gibt auch rheumatische Erkrankungen, bei denen chronische Entzündungen Gewebe angreifen, reizen und sensibilisieren. Auch das führt zu Schmerzen.
Weit über 90 Prozent aller Rückenschmerzpatienten haben eine zugrunde liegende biologische Schmerzursache. Du hast mechanische Irritationen basierend auf deinem Bewegungsverhalten, gewisse Belastungsmuster, Bewegungsmuster oder Körperhaltungen, die deine Schmerzen auslösen, weil das Gewebe dadurch irritiert und vor allem sensibilisiert wird.
Stell dir folgendes Beispiel vor: Du schlägst dir mit einem Hammer auf den Daumen. Einmal ist schmerzhaft, aber erträglich. Wenn du dir aber 100-mal auf denselben Daumen schlägst, wird der Daumen mit jedem weiteren Schlag empfindlicher und tut immer stärker weh. Irgendwann tut alles weh, was du mit dem Daumen machst. Wenn du den Daumen jetzt ins MRT legst, ist dort vielleicht keine strukturelle Veränderung sichtbar, aber die wiederholte mechanische Einwirkung hat trotzdem dafür gesorgt, dass du Schmerzen spürst.
Genauso verhält es sich mit deinem Rücken. In deinem Bewegungsverhalten steckt die Ursache für die Entstehung deiner Rückenschmerzen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Rückenschmerzen auf dieser biologischen Ebene entstehen, empfehle ich dir meinen Blogartikel über die Therapiepyramide, in dem ich diesen Mechanismus ausführlich erkläre.
Der psychologische Aspekt: Was Stress mit deinem Rücken macht
Was bei Rückenschmerzen eine enorm große Rolle spielt, ist Stress. Und Stress kann vieles bedeuten. Lass uns diesen Begriff einmal aufschlüsseln.
Dein vegetatives Nervensystem besteht aus zwei Gegenspielern: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Stell dir diese beiden Systeme wie einen Intensitätsregler vor.
Der Sympathikus ist der Teil deines Nervensystems, der aktiv ist, wenn du gestresst bist oder Leistung erbringen musst. Er ist verantwortlich für den sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus (im Englischen: Fight or Flight). Wenn du zum Bus sprinten musst, einen Vortrag hältst oder nervös bist, dann ist der Sympathikus hochgefahren.
Der Parasympathikus ist das genaue Gegenteil. Er ist der Ruhe-und-Erholungs-Modus (Rest and Digest). Wenn du auf der Couch liegst oder schlafen gehst, sollte dieser Teil des Nervensystems aktiv sein. In diesem Zustand werden Verdauungsprozesse, Heilungsprozesse und allgemeine Entspannung gefördert.
Im Normalfall pendelt dein Nervensystem zwischen beiden Zuständen hin und her, je nachdem, was die Situation erfordert. Das Problem entsteht, wenn du dauerhaft gestresst bist, wenn der Sympathikus chronisch aktiv bleibt und der Regler nie wieder heruntergedreht wird.
Stress und Muskelspannung: Wenn du viel Stress hast, und das schließt auch die Angst vor Schmerzen mit ein, ist der Sympathikus chronisch aktiv. Dadurch hast du auch mehr Muskelspannung in der gesamten Muskulatur. Du kennst das sicherlich: diese Steifheit in der Lendenwirbelsäule, die Verspannungen im hinteren Oberschenkel oder der Klassiker Nackenverspannungen. Diese Dinge werden oft durch zu viel Stress begünstigt, weil der erhöhte Muskeltonus zusätzliche Schmerzen verursachen kann.
Angst und depressive Verstimmung: Die andere Seite des psychologischen Aspekts betrifft Angst und depressive Verstimmungen. Du fühlst dich körperlich entmächtigt. Du hast Angst vor gewissen Tätigkeiten oder Belastungen, weil du ständig den Schmerz erwartest. Du bist verunsichert, weil du nicht weißt, wie es weitergehen soll. Vielleicht bist du krankgeschrieben, hast finanziellen Druck, weißt nicht, ob du wieder zurück in den Beruf kannst, und weißt nicht, wann die Schmerzen endlich aufhören.
Du hast vielleicht bereits mehrere Wochen oder Monate Schmerzen und niemand konnte dir bisher wirklich helfen. Du hast einen Kontrollverlust erlitten, du hast nicht das Gefühl, Herr über die Situation zu sein, und du hast das Vertrauen in deinen Körper verloren. All diese Dinge erzeugen eine Abwärtsspirale.
In der Schmerzforschung gelten diese sogenannten Fear-Avoidance-Beliefs, also schmerzbezogene Ängste, sogar als der stärkste Faktor dafür, ob akute Rückenschmerzen chronisch werden. Nicht der MRT-Befund, nicht die Bandscheibe, sondern deine Angst und dein Umgang mit dem Schmerz haben den größten Einfluss darauf, wie es weitergeht.
Der soziale Aspekt: Wenn Rückenschmerzen dich isolieren
Dadurch, dass du ständig Schmerzen hast, Angst vor gewissen Bewegungen hast und am Leben nicht mehr richtig teilhaben kannst, verändert sich auch dein soziales Umfeld. Du kannst deinen Hobbys nicht mehr nachgehen, du kannst nicht arbeiten gehen, du hast keine Struktur mehr im Alltag. Du kannst an sozialen Veranstaltungen nicht teilhaben, weil du weißt, dass langes Stehen oder Sitzen Schmerzen verursacht. Deine Freunde gehen vielleicht Fußball spielen, das kannst du alles nicht machen.
Diese Einschränkungen führen oft zu sozialer Isolation. Du wirst aus deinem sozialen Umfeld herausgerissen. Vielleicht können deine Mitmenschen, Freunde und Familie deine Schmerzen nicht wirklich nachvollziehen, haben kein Verständnis für deine Situation und lassen dich deshalb links liegen. Es ist auch frustrierend, wenn Leute deinen Schmerz herunterspielen und du das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden, gerade auch bei Ärzten.
Du als Mensch brauchst Struktur und eine Aufgabe, einen Grund, morgens aufzustehen. Wenn du nicht arbeiten gehen oder keinen Hobbys nachgehen kannst, fehlt dir genau das. Diese fehlende Struktur, gepaart mit ständiger Frustration und Ungewissheit, führt häufig zu einer depressiven Verstimmung. Die sozialen und psychologischen Aspekte hängen also sehr eng miteinander zusammen.
Wie sich alles gegenseitig verstärkt: Die Schmerzspirale
Alle drei Bereiche des biopsychosozialen Modells überschneiden sich und beeinflussen sich gegenseitig. Die fehlende Struktur im Alltag und das mangelnde Verständnis verstärken die mechanischen Ursachen deiner Schmerzen.
Wenn du in dieser negativen Spirale steckst, wenn du Angst, Ungewissheit und keine Kontrolle hast, wenn du dich nutzlos und hilflos fühlst und in einer depressiven Verstimmung steckst, dann ist deine Aufmerksamkeit die ganze Zeit nach innen gekehrt. Du bist extrem empfänglich für negative Emotionen und nimmst den Schmerz viel stärker wahr.
Stell dir vor, du stehst voll im Leben, hast Verantwortung und eine Aufgabe. In diesem Zustand würdest du den kleinsten Schmerzauslöser gar nicht wahrnehmen, weil du im Fluss bist und andere Dinge wichtiger sind. Aber dadurch, dass dein Alltag eingebrochen ist, hast du die Zeit und die Aufmerksamkeit, nach innen zu schauen und auf den Schmerz zu warten. Und genau das verstärkt ihn.
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Chronische Rückenschmerzen: Warum deine Angst vermutlich unbegründet ist
Du hast Angst, dass deine Rückenschmerzen chronisch sind und nie wieder verschwinden? Lass mich dir erklären, warum diese Angst in den meisten Fällen unbegründet ist.
Was bedeutet chronisch eigentlich?
Die medizinische Definition besagt, dass Schmerzen bereits nach drei Monaten als chronisch gelten. Für viele bedeutet chronisch automatisch: Das habe ich für immer, das verschwindet nicht mehr. Und mit diesem Gedanken geht natürlich eine große Angst einher.
Das eigentliche Problem liegt jedoch in der Definition selbst. Chronisch bedeutet in erster Linie nur, dass du einen Schmerz über einen längeren Zeitraum als drei Monate hast. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Schmerz nicht wieder verschwinden wird. Die Aussage du hast chronische Schmerzen ist also kein Urteil, dass du sie nie wieder loswirst. Es bedeutet zunächst nur, dass du seit längerer Zeit Schmerzen hast.
Und wenn man sich anschaut, wie lange verschiedene Verletzungen durchschnittlich brauchen, wird schnell klar, warum die Drei-Monats-Grenze wenig Sinn ergibt: Ein stark entzündeter Tennisellenbogen braucht durchschnittlich etwa 12 Monate. Ein Supinationstrauma, also wenn du umknickst und die Außenbänder reißen, braucht in der Regel 8 Wochen. Und eine eingefrorene Schulter kann sogar 30 Monate dauern. Es ist also sehr stark von der Verletzung und deinen individuellen Umständen abhängig, wie lange Schmerzen zu erwarten sind.
Das Missverständnis vom Schmerzgedächtnis
Oft wird vom sogenannten Schmerzgedächtnis gesprochen. Die Idee dahinter: Schmerzen könnten sich im Nervensystem einbrennen und ab einem gewissen Punkt käme der Schmerz nur noch aus deinem Kopf. Aus meiner Erfahrung in der Therapie mit Rückenschmerzpatienten und aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen: So einfach ist das nicht.
Der Schmerz ist nicht nur in deinem Kopf. Schmerzen haben in weit über 90 Prozent aller Fälle eine mechanische oder metabolische Ursache. Das bedeutet, sie haben einen ganz klaren Grund, und sobald man anfängt, diese Ursache zu beheben, verschwinden auch die Schmerzen, selbst wenn du sie vielleicht schon über viele Jahre hattest.
Was allerdings passiert: Dein Körper wird mit der Zeit sensitiver gegenüber Schmerzen. Du stellst vielleicht fest, dass sich aktuell bei dir im Alltag alles nur noch um den Rücken dreht. Du stehst morgens auf und hast Rückenschmerzen. Du möchtest etwas tun und stellst fest, dass du Schmerzen entwickelst. Du vermeidest gewisse Dinge, weil du Angst hast. Diese gesteigerte Aufmerksamkeit und ständige Erwartung des Schmerzes führen dazu, dass du immer sensitiver reagierst und den Schmerz stärker wahrnimmst.
Man könnte das Schmerzgedächtnis also auch so beschreiben: Durch die ständigen Schmerzen und die psychische Last nimmst du den Schmerz stärker wahr. In diesem Sinne ist er tatsächlich ein Stück weit in deinem System eingebrannt. Aber das ändert nichts daran, dass der Schmerz nach wie vor eine spezifische Ursache hat.
Die gute Nachricht: Schmerzfreiheit ist möglich
Sobald du anfängst, die eigentlichen Ursachen zu beheben, wird der Schmerz weniger. Und das registriert dein Nervensystem auch. Je mehr schmerzfreie Bewegungserfahrung du machst, wenn du einen positiven Trend entwickelst, wenn du deine Bewegung umschulst und Bewegungsabläufe so veränderst, dass sie schmerzfrei oder schmerzärmer werden, desto mehr registriert dein Nervensystem das. Die Schmerzen klingen mit der Zeit ab.
Das ist eine positive Rückkopplungsschleife: Je mehr schmerzfreie Erfahrungen du machst, desto weniger sensitiv wirst du gegenüber Schmerzen. Andersherum gilt aber auch: Je mehr Schmerzen du auslöst, desto sensitiver wirst du. Dieser Prozess verstärkt sich in beide Richtungen selbst.
Wenn du bereits seit Jahren Schmerzen hast, bist du vermutlich extrem sensitiv. Dein Nervensystem ist stark gereizt, und es reichen schon kleinste Auslöser. Aber mit der richtigen aktiven Therapie und Umschulung kannst du auch in die andere Richtung wieder aufbauen und schmerzfrei werden.
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Der Weg zur Schmerzfreiheit: Erwartungen, Realität und das Tal der Verzweiflung
Du bist frustriert durch zahlreiche Rückschläge und hast das Gefühl, einfach keinen Fortschritt zu machen? Das ist leider völlig normal. In meiner eigenen Powerlifting-Karriere habe ich selbst mehrere Bandscheibenvorwölbungen erlitten und auf dem Weg zur Schmerzfreiheit zahlreiche Rückschläge erlebt. Ich spreche daher aus eigener Erfahrung.
Warum Erwartung und Realität auseinanderdriften
Die meisten Betroffenen erleben Rückschläge und Frustration, weil sie das Gefühl haben, keinen Fortschritt zu machen. Die Ursache dafür steckt in der Erwartungshaltung.
Du hast eine bestimmte Vorstellung davon, wie dein Weg zur Schmerzfreiheit verlaufen sollte: stetig bergauf, jeden Tag ein bisschen besser, bis du schmerzfrei bist. Die Realität sieht allerdings komplett anders aus. Auch wenn du alles richtig machst und bereits mit der richtigen aktiven Therapie an deinen Rückenschmerzen arbeitest, ist trotzdem mit Rückschlägen zu rechnen.
Fortschritt ist niemals linear. Du hast gute Tage und schlechte Tage. Das ist unvermeidlich. Denn du arbeitest mit limitierten Informationen, der Körper ist unglaublich komplex, und du bist am Ende des Tages auch nur ein Mensch. Du wirst Fehler machen. Selbst mit der besten Anamnese und der besten Bewegungsanalyse steckt man manchmal einfach nicht drin. Der Körper reagiert unterschiedlich, du hast eine Tagesform, und deine Belastungstoleranz ist nicht jeden Tag gleich.
Der typische Verlauf einer Schmerztherapie
Der Verlauf einer Schmerztherapie folgt einem typischen Muster, das ich dir hier beschreibe, damit du dich darauf vorbereiten kannst.
Phase 1: Uninformierter Optimismus. Du hast ein Problem, du hast Schmerzen. Du findest einen neuen Therapeuten oder einen neuen Ansatz und bist natürlich optimistisch, dass dir geholfen wird. Du denkst: Das ist die richtige Therapie! Du informierst dich, bekommst alles erklärt und bist motiviert.
Phase 2: Informierter Pessimismus. Die anfängliche Euphorie lässt irgendwann nach. Die ersten Wochen vergehen, und du hast vielleicht zu Beginn eine kleine Linderung gespürt, aber es geht nicht so richtig vorwärts. Du siehst keine wirklich großen Fortschritte.
Phase 3: Das Tal der Verzweiflung. Dann vergehen ein paar weitere Wochen und irgendwann landest du ganz unten. Nichts scheint zu funktionieren. Es geht dir genauso schlecht wie vorher oder vielleicht sogar schlechter. Du zweifelst: Ich mache alles richtig und es funktioniert trotzdem nicht! Du fällst in ein emotionales Loch, und die Gefahr aufzugeben ist groß.
Phase 4: Informierter Optimismus. Wenn du ganz genau hinschaust und den langfristigen Trend betrachtest, stellst du vielleicht fest: Klar hast du Rückschläge, du hast schlechte Tage und schlechte Wochen. Aber weitestgehend ist der Trend positiv. Nach ein paar Monaten merkst du, dass es definitiv besser geworden ist.
Phase 5: Erfolg. Wenn du jetzt weiter dranbleibst, folgt der Erfolg. Du wirst schmerzfrei.
Der Teufelskreis der ständigen Neuanfänge
Das größte Problem ist: Die allermeisten Menschen geben im Tal der Verzweiflung auf und suchen sich die nächste Therapie. Sie fangen wieder am Anfang an, durchlaufen denselben Zyklus und landen wieder im Tal. Dann suchen sie wieder etwas Neues. Diesen Kreislauf durchlaufen sehr viele Menschen sehr oft, und er ist ein Hauptgrund dafür, warum sie nicht schmerzfrei werden. Die fehlende Konstanz in der Umsetzung verhindert den Erfolg.
Wir Menschen suchen immer nach schnellen, einfachen Lösungen. Was ist der nächste Wunderheiler, der nächste Chiropraktiker, die nächste Spritze? Vielleicht auch eine OP? Aber hinter dem Tal der Verzweiflung, wenn du dranbleibst, kann das Ziel auf dich warten.
Was du daraus mitnehmen solltest
Mit Rückschlägen ist zu rechnen. Eine realistische Erwartungshaltung erspart dir Frustration, Verzweiflung und Kummer. Wenn du den Rückschlag erwartest, fällst du gar nicht erst so tief in das emotionale Loch.
Geduld ist elementar und eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zur Schmerzfreiheit. Ein Bandscheibenvorfall verheilt nicht in sechs Wochen wie ein gebrochener Knochen. Es braucht Zeit, Verständnis, Geduld in der Umsetzung und die richtige Anleitung in der aktiven Therapie.
Versuche, die guten Tage zu genießen und aus den schlechten Tagen zu lernen. Denn in aller Regel sind Rückschläge eine Chance dazuzulernen. Sie bedeuten nicht, dass du auf dem falschen Weg bist. Sie bedeuten lediglich, dass du vielleicht eine Chance hast, informiertere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
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Sind Schmerzen während der Therapie normal oder ein Warnsignal?
Wenn du im Alltag, nach Übungen oder Therapien wieder vermehrt Schmerzen hast und nicht richtig weißt, was das für dich bedeutet, dann ist dieses Kapitel besonders wichtig für dich. Denn die richtige Einordnung von Schmerzen kann entscheidend dafür sein, ob du auf dem richtigen Weg bleibst oder unnötig Angst bekommst.
Zwei Arten von Schmerzen, die du unterscheiden musst
Grundsätzlich kannst du zwischen zwei Arten von Schmerzen unterscheiden: dem Belastungsschmerz und dem neurologischen Schmerz.
Belastungsschmerzen treten in der Regel verzögert auf. Du machst eine Übung, die in dem Moment vielleicht schmerzfrei ist oder nur mit erträglichem Schmerz verbunden, und dann merkst du im Nachhinein, nach dem Training oder am Folgetag, dass du wieder vermehrt Schmerzen hast. Dieser Schmerz entsteht durch die Reaktion des Körpers auf die Belastung. Solche Belastungsschmerzen sind prinzipiell zu erwarten und normal.
Belastungsschmerzen äußern sich vor allem durch lokalen Schmerz und Steifheit, also muskuläre Verspannungen. Wenn wir zum Beispiel über einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule sprechen, dann merkst du vielleicht, dass du am Folgetag etwas steifer bist, nicht ganz so gut runterkommst, um die Schuhe zu binden, und die Muskulatur etwas dichter macht. Das ist typischer Belastungsschmerz und erstmal nicht weiter schlimm.
Bei Belastungsschmerzen solltest du versuchen, die Intensität auf einer Skala von 1 bis 10 einzuordnen. Dabei solltest du nicht über eine 3 oder 4 hinausgehen. Also jede Tätigkeit oder Belastung, die direkt moderate bis intensive Schmerzen verursacht, solltest du vermeiden, weil das ein Schmerzauslöser ist, den du eliminieren willst.
Neurologische Schmerzen sind eine ganz andere Sache. Solltest du während einer Tätigkeit, in einer bestimmten Körperhaltung oder während einer Übung ziehende, ausstrahlende Schmerzen in die Arme oder Beine bekommen, wie zum Beispiel beim Ischiasnerv, der hinten in der Gesäßbacke das Bein hinunter zieht, dann solltest du diese Tätigkeit sofort anpassen oder vermeiden.
Denn jede Art von Nervenschmerz sorgt dafür, dass der Nerv weiter irritiert und sensibilisiert wird. Du pulst sozusagen immer wieder in den Schorf der Wunde und reizt deine Verletzung aufs Neue. Dasselbe gilt für andere neurologische Einschränkungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Brennen. Wenn du in irgendeiner Art und Weise diese Symptome auslöst: Finger weg von dieser Übung oder Bewegung.
Ein typisches Beispiel sind Dehnübungen. Wenn du Ischiasschmerzen hast und deine hintere Kette dehnst, vor allem den hinteren Oberschenkel, und dabei in den Ischiasnerv hineindehnst, dann wird dieser mechanisch stark belastet. Diese Zugbelastung löst den Nervenschmerz erneut aus. Warum Dehnübungen bei Rückenschmerzen oft mehr schaden als helfen, erkläre ich ausführlich in meinem Blogartikel über Dehnübungen.
Was wirklich bedenklich ist
Zusätzlich zu neurologischen Schmerzen solltest du auf stechende Schmerzen achten. Wenn eine Art von Instabilität auftritt, du dich unsicher fühlst, nicht richtig aufstehen kannst, weil du über einen sehr schmerzhaften Punkt hinwegkommen musst, oder bei ruckartigen Bewegungen einen stechenden Schmerz spürst, dann sind das Zeichen, dass du deine Belastungstoleranz zu stark überschritten hast und einen Rückfall erlitten hast.
Warum du den Trend beobachten musst
Der wichtigste Punkt bei der Einordnung von Schmerzen ist der Trend. Es geht bei einer aktiven Therapie darum, den Körper wieder belastbar zu machen. Wenn du mit Übungen daran arbeitest, schmerzfrei zu werden, setzt du den Körper ganz bewusst einer gewissen Belastung aus, weil er diese Belastung braucht, um sich anzupassen.
Das bedeutet: Wenn dein Übungsprogramm gut dosiert ist, solltest du mit der Zeit belastbarer werden. Du solltest einen positiven Trend entwickeln. Wenn du immer dieselben Übungen in derselben Häufigkeit und Intensität machst, sollte der Belastungsschmerz über mehrere Wochen allmählich weniger werden.
Die Frage ist oft: Machst du keinen Fortschritt oder siehst du keinen Fortschritt? Lass dich nicht verunsichern. Fortschritt kommt oft schleichend und du nimmst ihn vielleicht gar nicht wahr, weil du täglich Schmerzen hast. Woher willst du wissen, wie die Schmerzen heute im Vergleich zu vor vier Wochen sind?
Ein Schmerzprotokoll als Werkzeug
Genau aus diesem Grund empfehle ich allen meinen Klienten, eine Art Schmerzprotokoll zu führen. Dabei protokollierst du drei Dinge: Erstens, hattest du Schmerzen während einer Übung oder Tätigkeit und wenn ja, wie stark auf einer Skala von 1 bis 10? Zweitens, hattest du vermehrt Schmerzen nach der Übung oder Tätigkeit? Und drittens, hattest du am Folgetag vermehrt Schmerzen?
Diese drei Datenpunkte sind die kritischen Punkte, die du im Auge behalten solltest. Rückblickend kannst du sie analysieren und einen Trend feststellen. Sollte der Trend negativ sein, musst du unbedingt etwas verändern, weil du auf keinen Fall möchtest, dass deine Belastungstoleranz sinkt und du immer stärker sensibilisiert wirst.
Zum Thema Belastungsmanagement und wie du die richtige Dosis für deine Therapie findest, habe ich einen eigenen ausführlichen Blogartikel geschrieben: Belastungsmanagement bei Rückenschmerzen.
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Die richtige Therapie: Warum ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend ist
All diese Erkenntnisse bedeuten, dass in der Therapie von Rückenschmerzen alle Faktoren berücksichtigt werden müssen. Ein isolierter Fokus auf die Wirbelsäule greift zu kurz. Nachhaltiger Erfolg erfordert die Behandlung auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Was eine ganzheitliche Therapie leisten muss
Aufklärung: Du musst verstehen, was mit deinen Rückenschmerzen passiert und was du zu erwarten hast. Das nimmt dir deine Ängste. Ohne Verständnis keine nachhaltige Veränderung.
Kontrolle zurückgewinnen: Du musst das Gefühl haben, dass du auf dem richtigen Weg bist. Du brauchst die richtige aktive Therapie, du musst an den biologischen Ursachen gezielt arbeiten. Wenn du weißt, welche Übungen du tun musst und das Gefühl hast, dass sie dir helfen, gibt dir das ein Gefühl von Kontrolle.
Strukturierter Ansatz: Du brauchst einen klar strukturierten Plan, der dich in die Umsetzung bringt. Der dunkle Tunnel, das Loch, in dem du dich befindest, am Ende kommt Licht. Es öffnet sich ein Weg nach vorne, den du klar verfolgen kannst. Das verändert deine ganze Perspektive und auf einmal sind die Schmerzen gar nicht mehr so schlimm, weil du das Gefühl hast, es wird besser.
Soziale Unterstützung: Es ist enorm wichtig, dass du Menschen in deinem Umfeld hast, die dich unterstützen und verstehen. Du brauchst Struktur im Alltag und kleine Dinge, auf die du dich fokussieren kannst, damit die Aufmerksamkeit weg von dir selbst und weg vom Schmerz auf andere Dinge geht.
Die Bewegungsanalyse: Diagnostik als Fundament
Bevor irgendetwas therapiert werden kann, muss verstanden werden, was genau therapiert werden soll. Genau das ist die Aufgabe meiner 3-Stunden-Bewegungsanalyse.
Stell dir ein Puzzle mit 1.000 Teilen vor. Ohne das Bild auf der Schachtel prüfst du 999 falsche Teile, bevor du das richtige findest. Die Bewegungsanalyse gibt dir dieses Bild. In drei Stunden analysiere ich deine komplette Bewegungskette von Kopf bis Fuß. Ich untersuche deine Füße, dein Becken und deine Haltung, denn oft liegt die Ursache weit vom Schmerzort entfernt. Ich identifiziere mit gezielten Provokationstests deine individuellen Schmerzauslöser. Nicht was das MRT zeigt, sondern was wirklich den Schmerz provoziert. Am Ende erhältst du einen maßgeschneiderten Trainingsplan mit intensiver Übungseinweisung.
Die Bewegungsanalyse ist die Diagnostik. Drei Stunden, eine Zeitspanne, die dir im Gesundheitssystem niemand bieten kann. Das Ziel ist Selbsttherapie: Du wirst dazu befähigt, deine Rückenschmerzen eigenständig zu behandeln.
Die R.E.S.E.T.-Methode: Wenn Bewegung allein nicht reicht
Manchmal reicht die reine Bewegungstherapie allein jedoch nicht aus, besonders bei chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen. Rückenschmerzen entstehen auf mehreren Ebenen: Bewegung, Stressregulation, Stoffwechsel und Psyche beeinflussen sich gegenseitig und können den Schmerz aufrechterhalten.
Genau hier setzt die R.E.S.E.T.-Methode an. Das ist ein ganzheitliches 5-Säulen-Konzept, das nicht nur deine Bewegung adressiert, sondern auch Ernährung, Schlaf, Stressmanagement und weitere Faktoren, die deine Schmerzfreiheit beeinflussen. Die R.E.S.E.T.-Methode setzt dort an, wo dein Schmerz wirklich entsteht: bei deinen Zellen, deinem Nervensystem, deinem Darm, deiner Ernährung und deiner Bewegung. In einem begleiteten 6-Monats-Programm werden alle diese Ebenen systematisch adressiert, damit du nicht nur schmerzfrei wirst, sondern auch schmerzfrei bleibst.
Der Unterschied zum Gesundheitssystem ist fundamental: Wo dort Symptome behandelt werden, therapiere ich Ursachen. Wo du beim Arzt 5 Minuten bekommst, nehme ich mir 3 Stunden für deine Bewegungsanalyse. Wo die Physiotherapie nach 6 Einheiten endet, begleite ich dich 6 Monate intensiv.
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Dein nächster Schritt zur Schmerzfreiheit
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Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Ergebnisse basieren auf individuellen Erfahrungen und können nicht garantiert werden. Bei akuten oder schweren Beschwerden konsultiere bitte einen Arzt.